Donnerstag | 15.11.2012  bis  Freitag | 18.01.2013
Ausstellung conmigramus...zusammen wandern wir
Künstler mit Wurzeln in anderen Ländern präsentierten ihre Werke

Über 130 Kunstinteressierte strömten zur Vernissage der Ausstellung conmigramus im Rahmen der renommierten Reihe „Kunst und Kultur im Kreishaus“ ins Foyer der Verwaltung. In „conmigramus – zusammen wandern wir“ wurden über den Jahreswechsel 2012/2013 hinweg bis zum 18. Januar 2013 bemerkenswerte Werke von neun Künstlerinnen und Künstlern aus der Region, aber mit Wurzeln in anderen Ländern, präsentiert.

Zu Beginn der Ausstellungseröffnung richtete Landrat Michael Lieber ein paar Worte an die Gäste, die Künstler und deren Familien. Er hieß alle herzlich willkommen und erklärte, weshalb sich die Verantwortlichen von „Kunst und Kultur im Kreishaus“ dazu entschlossen, eine derartige Vernissage zu arrangieren: Um die Hintergründe und Eindrücke der Menschen mit Wurzeln in anderen Ländern zu verdeutlichen und das mit der „Sprache der Kunst“. Durch die Anwesenheit 14-plakat-conmigramusder Künstler konnten die Besucher die Möglichkeit des persönlichen Austausches von Erfahrungen und Eindrücken erleben. Neben den Künstlerinnen und Künstlern begrüßte Landrat Michael Lieber weitere Gäste aus Politik und Gesellschaft.
Er wies darauf hin, dass „der kulturelle Reichtum Europas und der angrenzenden Länder ein wichtiges Fundament des Integrationsprozesses sind“. In seiner Ansprache zitierte er Ruth Hieronymi (ehemaliges MdEP): „Europa ist nicht nur Außen- und Wirtschaftspolitik, sondern lebt vor allem vom Dialog der Menschen untereinander und dem Schutz der kulturellen Vielfalt auf der Grundlage gemeinsamer Werte“. Viele Menschen seien sich dieser Tatsachen nicht bewusst, ergänzte er. Am Abend der Vernissage bekamen die Gäste jedoch die Gelegenheit, sich damit auseinanderzusetzen.

Auch der Violinist Thomas Kagermann erinnerte durch eine außergewöhnliche, musikalische Improvisation an Stimmen aus aller Welt und vermittelte den Betrachtern einen auditiven Zugang zur internationalen Kunst.

„Wanderung ist unsere Heimat“ führte Kuratorin Katharina Otte-Varolgil ihre Künstlergespräche ein. „Jeder von uns hat eigene Wurzeln. Wie kriegt man es hin, die Wurzeln der Vielen zu respektieren?“, fragte sie. Aus bildtheoretischer Sicht, legte sie in ihrer Einführung dar, seien Bilder eine Sprache des Menschen, die sich aus Form und Inhalt bildeten und sich wie ein Fenster wieder in die Wirklichkeit hinein öffneten. Der Titel sei programmatisch für die Chance der Begegnung über Kunst in einer Epoche globalen Wandels.
Weiterhin erläuterte die Kuratorin die Schaffensweisen der neun Künstler und trat mit Ihnen in einen interessanten Dialog.

Die Künstlerin Shirin Hasan hat ihren Ursprung in Syrien. Sie studierte am Institute of Fine Arts in Damaskus. Ihre Werke wurden international gezeigt, beispielsweise in Beirut, Istanbul, Belgien und Dubai. In ihren ausdrucksstarken Bildern sind ihre kurdischen Wurzeln, sowie aktuelles Kriegsgeschehen Thema. Ihre abstrakten Gemälde, die medial präsentiert wurden, sind für sie „wie ein Spiegel der Seele,… mein Heimatland“.

Margaritha Gerber ist in Novosibirsk geboren und besuchte dort die Hochschule für Architektur. Gerber verwendet klassische Techniken, wie Grafitzeichnung, Aquarell, Rötel, Tusche. Ihre Motive knüpfen an traditionelle Themen der russischen Volkskultur an.

Drahomira Hampl hat tschechische Wurzeln. Die Textildesignerin entwirft filigrane, gar transparente Textilarbeiten aus handgewebten Stoffen. Darunter ein Entwurf für einen japanischen Paravent oder fein gewebte Quadrate aus Metallgarnen in gebürsteten Stahlrahmen.

Irena Harder sagte „Ich male mit der Erde auf der ich aufgewachsen bin“. Sie drückt die innere Welt der Menschen aus. In die „abstrakten Selbstportraits“, wie ihr Dozent an der Uni Siegen sagt, aus pastosen Farbschichtungen, sind Linien innerer Zerbrechlichkeit geritzt; ihr Motiv ist das „Hirn“, meist auf ungerahmten Malgründen. Mit den von der Decke hängenden roten, textilen Objekten, die an Blutbahnen erinnern, hat die Kuratorin durch die sensible Art der Hängung dem Bildensemble Harders einen intstallativen Charakter verliehen.

Cengiz Öztürk kommt ursprünglich aus Filyos (Türkei) und wurde an der Eskeshir Universität in Istanbul aufgenommen, folgte dann aber 2000 seiner Liebe nach Altenkirchen. Seine interaktive Installation, ein weibliches Portrait in Grafit, Spiegel und Ebrubild mit Tulpe fragt:„Meine Liebe ist wie eine Blume. Schau in den Spiegel. Wo ist deine Heimat?“ Das Marmorieren entstand bei den Turkvölkern und die Tulpe (türk. „lale“), ist bei den Mystikern ein Symbol des unerfüllbaren menschlichen Sehnens nach Gott.

Eine typische Westerwälder Küche, die Geschichte(n) atmet, zeigt der Fotograf Peter Rüsing, der Deutschland in seinem Langzeit-Projekt „Erwins Küche“ vertritt. Er studierte Grafikdesign und Fotografie an der FH Münster und Dortmund bei Willi Fleckhaus und Pan Walter. Rüsing interessieren Menschen, ihre Lebensräume, ihr Schaffen und ihr Miteinander. Er hat die Kraft der Abstraktion von schwarz-weiß Fotografien noch überhöht durch aufwendige Colorationen.

Nilam Kumar lässt Motive und Farbenreichtum Indiens in ihre Werke einfließen. In ihren kleinformatigen, sehr intensiven, den nahen Blick fordernden Arbeiten, kombiniert sie Fotografie und Malerei. Die Serie entstand während einer Reise am Ganges. Die Kultur übergreifenden Räume, setzt sie technisch durch „Überschneidung“ von Fotografie und Malerei um.

Der gebürtige Franzose Roland Puvion verzaubert mit seinem Charme die Gäste indem er – teils auf Französisch – die Gäste mit Thesen der Kunstästhetik unterhielt. Er unterrichtete seit den 70er Jahren ganze Schülergenerationen des Altenkirchener Gymnasiums im Fach Bildende Kunst. Seine Bildthemen, exemplarisch das „Porträt E. Husserls“, „Der Mord an Agamemnon“ und „Die Befreiung des Irak“, zeigen seine philosophische Auseinandersetzung mit existenziellen Themen in seinem unverwechselbar surrealistischen Stil in Ölmalerei. Seine Werke hängen beispielsweise in der Kirche Dreifelden, im Hölderlin Museum Tübingen, im Stadtmuseum Eichnach und in „Shoah“ in einer Sammlung in Tel Aviv.

Der international angesehene Giovanni Vetere scherzte über sich selbst: „Ich bin kein Maler, ich bin Bildhauer. Ich habe die Kraft in das Wollen!“
Er präsentiert in der Ausstellung seine Frühwerke. In Selbstbildnissen setzte er sich mit der psychisch belastenden Situation des Gastarbeiterdaseins Ende der 60er Jahre auseinander. Dabei verwendete er als Stilmittel die formale Verfremdung und Vereinfachung der menschlichen Gestalt, ebenso eine denaturierte Farbgebung.
In seinem Frescostil arbeitet er heute in nuancenreichem Farbspektrum, wobei bei dem gebürtigen Kalabrier runde Formen und warme Farben überwiegen. Ethnische und soziologische Fragen interessierten ihn seit jeher. Vetere stellte in Europa auf Messen in Basel und der Art Cologne und in den USA aus.

„Es geht um die Gestaltung von Vielfalt“, rundete Kuratorin Otte-Varolgil die Künstlergespräche ab und zitierte Michel Foucault: „…außerhalb des Bildes, an den Rändern des Ungesagten, müssen wir die Bedeutung aufsteigen lassen“.
Mit diesen Worten lud sie die Gäste zum Austausch und anregenden Gesprächen ein.

Landrat Lieber dankte allen Künstlerinnen und Künstlern und überreichte als kleine Anerkennung das Heimatjahrbuch 2013 des Kreises Altenkirchen.

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